GESTERN IM STANDARD
ST Artikel des Tages
SÜDATLANTISCHE ANOMALIE
Rätselhafte Schwäche des Erdmagnetfelds dürfte regelmäßig wiederkehren
Klaus Taschwer
10. Mai 2026, 11:55
Das Magnetfeld der Erde schützt den Planeten vor kosmischer Strahlung und entsteht durch Strömungen aus geschmolzenem Eisen im äußeren Erdkern. Ohne diesen unsichtbaren Schutzschild wären Satelliten, technische Systeme und auch das Leben auf der Erde deutlich stärker gefährdet.
Mag net im Süden | https://www.ncei.noaa.gov/
Seit etwa 200 Jahren schwächt sich das Magnetfeld jedoch messbar ab. Besonders auffällig ist die sogenannte Südatlantische Anomalie über Teilen Südamerikas und des südlichen Atlantiks, die bereits 1830 von Alexander von Humboldt beschrieben wurde. Dort sank die magnetische Feldstärke zuletzt auf weniger als die Hälfte des mitteleuropäischen Werts.
Forschende wollten deshalb herausfinden, ob diese Schwächung ein einmaliges Ereignis oder Teil eines wiederkehrenden Musters ist. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Miriam Gómez-Paccard analysierte dafür sogenannte Paläointensitätsdaten aus gebranntem Ton und vulkanischem Gestein. Diese Materialien speichern Informationen über frühere Magnetfelder.
Die Studie konzentrierte sich auf Zentral- und Südamerika, wo bisher nur wenige Daten vorlagen. Mithilfe neuer Messungen über einen Zeitraum von rund 2000 Jahren zeigte sich, dass Regionen mit schwacher magnetischer Intensität in der Südhalbkugel mehrfach und über lange Zeiträume auftraten.
Außerdem stellten die Forschenden fest, dass sich solche Schwächezonen geografisch verlagern können. Frühere Anomalien bewegten sich offenbar vom Indischen Ozean über Afrika bis nach Südamerika – ähnlich wie die heutige Südatlantische Anomalie.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Veränderungen des Erdmagnetfelds Teil eines natürlichen und wiederkehrenden Prozesses im Erdinneren sind. Dennoch bleibt die Entwicklung wichtig, da ein schwächeres Magnetfeld Auswirkungen auf Satelliten, Raumfahrt und technische Infrastruktur haben kann.