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ÖSTERREICH IM TROCKENEN
Knappes Wasser als heißes Eisen: Wie viel müssen wir über unseren Verbrauch wissen?
Verena Kainrath
7. Mai 2026, 05:00
Der weltweit führende Hochwasser-Hydrologe, Günter Blöschl, warnt angesichts der anhaltenden Trockenheit vor einem schwierigen Jahr für die Wasserversorgung in Österreich. Um die Wasserknappheit zu lindern, wäre laut dem TU-Wien-Experten etwa eine Woche Dauerregen nötig.
Der April brachte nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge, die Grundwasserstände liegen deutlich unter dem Normalwert. Auch Skandinavien verzeichnete außergewöhnlich trockene Monate.
Panikmacherbild
Besonders betroffen sind laut Wasserexperten Regionen wie das Wiener Becken und das Burgenland. Die Landwirtschaft benötigt dort viel Wasser, wo gleichzeitig starke Verdunstung und geringe Reserven herrschen.
Bauern berichten bereits von vertrockneten Flächen, versiegenden Quellen und Futtermangel für Tiere. Gemeinden warnen vor Engpässen bei der Trinkwasserversorgung und schränken teilweise das Befüllen privater Pools ein.
Diskutiert wird nun auch der Umgang mit Wasserressourcen. Umweltorganisationen fordern strengere Kontrollen und mehr Transparenz bei der Wasserentnahme durch Landwirtschaft und Industrie.
Experten kritisieren zudem das veraltete Wasserrecht und das Fehlen einer nationalen Wasserstrategie. Gleichzeitig wird über mögliche Kostenmodelle debattiert, wobei viele vor einer Privatisierung der Wasserversorgung warnen.
Fachleute sehen langfristig vor allem Anpassungen an den Klimawandel als notwendig an: mehr Renaturierung, Entsiegelung, Wiedervernässung von Mooren und Investitionen in Brunnen, Speicher und Leitungen.
Zwar verweist Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf hunderte genehmigte Infrastrukturprojekte, Experten halten die bisherigen Maßnahmen jedoch für unzureichend.