GESTERN IM STANDARD
ST Artikel des Tages
TEURE ENERGIE
Wie Europas Staaten den jüngsten Energiepreisschock zu dämpfen versuchen
Günther Strobl
8. Mai 2026, 16:20
Der Angriffskrieg auf den Iran hat auch die europäischen Energiemärkte hart getroffen – der Dieselpreis stieg um 26 %, der von Benzin um 12 %. Der Gaspreis verdoppelte sich sogar für eine kurze Periode.
Energiemarkt | Michael Day, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons
Man könnte meinen, dass Europa die gleichen Lehren aus dem Ukraine-Krieg gezogen hat, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung und Wirtschaft zu minimieren. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Länder eine unterschiedliche Herangehensweise verfolgen.
Auf insgesamt elf Milliarden Euro summieren sich die Hilfspakete der Länder – wobei Deutschland und Spanien zusammen mehr als die Hälfte von dieser Summe ausgeben.
Österreich, Deutschland, Italien und Polen verfolgen die Strategie der Steuersenkung auf Kraftstoffpreise, von der die Ökonomen abraten, weil es nicht dazu führt, dass weniger Kraftstoff in einer Ölkrise verbraucht wird, und die Energiewende antreibt.
Ökonomen befürworten das, was auch die EU-Kommission, EZB und IWF selbst empfehlen: gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte sowie Investitionen, die Europas Abhängigkeit von Öl und Gas dauerhaft verringern.
Belgien, Niederlande, Schweden und Großbritannien etwa setzen auf gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte und Unterstützung bei den Heizkosten sowie die Förderung von Energieeffizienz. Schweden kombiniert Stromkostenzuschüsse mit neuen Fördermitteln für Elektroautos und Energiesparprogrammen in Behörden.
Auf höherer Ebene beschloss die EU-Kommission Ende April einen befristeten Krisenrahmen, um besonders betroffene Branchen zu entlasten. Mitgliedstaaten dürfen energieintensive Unternehmen künftig stärker bei Stromkosten unterstützen, allerdings unabhängig davon, ob diese Energie sparen. Experten des Bruegel Instituts sehen darin nur eine kurzfristige Lösung und fordern eine schnellere Elektrifizierung mit mehr erneuerbaren Energien, Wärmepumpen und Elektromobilität, um Europas Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern.