10. Mai
Das Magnetfeld der Erde schützt den Planeten vor kosmischer Strahlung und entsteht durch Strömungen aus geschmolzenem Eisen im äußeren Erdkern. Ohne diesen unsichtbaren Schutzschild wären Satelliten, technische Systeme und auch das Leben auf der Erde deutlich stärker gefährdet.
Mag net im Süden | https://www.ncei.noaa.gov/
Seit etwa 200 Jahren schwächt sich das Magnetfeld jedoch messbar ab. Besonders auffällig ist die sogenannte Südatlantische Anomalie über Teilen Südamerikas und des südlichen Atlantiks, die bereits 1830 von Alexander von Humboldt beschrieben wurde. Dort sank die magnetische Feldstärke zuletzt auf weniger als die Hälfte des mitteleuropäischen Werts.
Forschende wollten deshalb herausfinden, ob diese Schwächung ein einmaliges Ereignis oder Teil eines wiederkehrenden Musters ist. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung von Miriam Gómez-Paccard analysierte dafür sogenannte Paläointensitätsdaten aus gebranntem Ton und vulkanischem Gestein. Diese Materialien speichern Informationen über frühere Magnetfelder.
Die Studie konzentrierte sich auf Zentral- und Südamerika, wo bisher nur wenige Daten vorlagen. Mithilfe neuer Messungen über einen Zeitraum von rund 2000 Jahren zeigte sich, dass Regionen mit schwacher magnetischer Intensität in der Südhalbkugel mehrfach und über lange Zeiträume auftraten.
Außerdem stellten die Forschenden fest, dass sich solche Schwächezonen geografisch verlagern können. Frühere Anomalien bewegten sich offenbar vom Indischen Ozean über Afrika bis nach Südamerika – ähnlich wie die heutige Südatlantische Anomalie.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Veränderungen des Erdmagnetfelds Teil eines natürlichen und wiederkehrenden Prozesses im Erdinneren sind. Dennoch bleibt die Entwicklung wichtig, da ein schwächeres Magnetfeld Auswirkungen auf Satelliten, Raumfahrt und technische Infrastruktur haben kann.
8. Mai
Der Angriffskrieg auf den Iran hat auch die europäischen Energiemärkte hart getroffen – der Dieselpreis stieg um 26 %, der von Benzin um 12 %. Der Gaspreis verdoppelte sich sogar für eine kurze Periode.
Energiemarkt | Michael Day, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons
Man könnte meinen, dass Europa die gleichen Lehren aus dem Ukraine-Krieg gezogen hat, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung und Wirtschaft zu minimieren. Jedoch hat sich herausgestellt, dass die Länder eine unterschiedliche Herangehensweise verfolgen.
Auf insgesamt elf Milliarden Euro summieren sich die Hilfspakete der Länder – wobei Deutschland und Spanien zusammen mehr als die Hälfte von dieser Summe ausgeben.
Österreich, Deutschland, Italien und Polen verfolgen die Strategie der Steuersenkung auf Kraftstoffpreise, von der die Ökonomen abraten, weil es nicht dazu führt, dass weniger Kraftstoff in einer Ölkrise verbraucht wird, und die Energiewende antreibt.
Ökonomen befürworten das, was auch die EU-Kommission, EZB und IWF selbst empfehlen: gezielte Hilfen für einkommensschwache Haushalte sowie Investitionen, die Europas Abhängigkeit von Öl und Gas dauerhaft verringern.
Belgien, Niederlande, Schweden und Großbritannien etwa setzen auf gezielte Hilfen für bedürftige Haushalte und Unterstützung bei den Heizkosten sowie die Förderung von Energieeffizienz. Schweden kombiniert Stromkostenzuschüsse mit neuen Fördermitteln für Elektroautos und Energiesparprogrammen in Behörden.
Auf höherer Ebene beschloss die EU-Kommission Ende April einen befristeten Krisenrahmen, um besonders betroffene Branchen zu entlasten. Mitgliedstaaten dürfen energieintensive Unternehmen künftig stärker bei Stromkosten unterstützen, allerdings unabhängig davon, ob diese Energie sparen. Experten des Bruegel Instituts sehen darin nur eine kurzfristige Lösung und fordern eine schnellere Elektrifizierung mit mehr erneuerbaren Energien, Wärmepumpen und Elektromobilität, um Europas Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern.
7. Mai
Der weltweit führende Hochwasser-Hydrologe, Günter Blöschl, warnt angesichts der anhaltenden Trockenheit vor einem schwierigen Jahr für die Wasserversorgung in Österreich. Um die Wasserknappheit zu lindern, wäre laut dem TU-Wien-Experten etwa eine Woche Dauerregen nötig.
Der April brachte nur ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge, die Grundwasserstände liegen deutlich unter dem Normalwert. Auch Skandinavien verzeichnete außergewöhnlich trockene Monate.
Panikmacherbild
Besonders betroffen sind laut Wasserexperten Regionen wie das Wiener Becken und das Burgenland. Die Landwirtschaft benötigt dort viel Wasser, wo gleichzeitig starke Verdunstung und geringe Reserven herrschen.
Bauern berichten bereits von vertrockneten Flächen, versiegenden Quellen und Futtermangel für Tiere. Gemeinden warnen vor Engpässen bei der Trinkwasserversorgung und schränken teilweise das Befüllen privater Pools ein.
Diskutiert wird nun auch der Umgang mit Wasserressourcen. Umweltorganisationen fordern strengere Kontrollen und mehr Transparenz bei der Wasserentnahme durch Landwirtschaft und Industrie.
Experten kritisieren zudem das veraltete Wasserrecht und das Fehlen einer nationalen Wasserstrategie. Gleichzeitig wird über mögliche Kostenmodelle debattiert, wobei viele vor einer Privatisierung der Wasserversorgung warnen.
Fachleute sehen langfristig vor allem Anpassungen an den Klimawandel als notwendig an: mehr Renaturierung, Entsiegelung, Wiedervernässung von Mooren und Investitionen in Brunnen, Speicher und Leitungen.
Zwar verweist Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig auf hunderte genehmigte Infrastrukturprojekte, Experten halten die bisherigen Maßnahmen jedoch für unzureichend.
6. Mai
Foodwatch Österreich hat die in Österreichs Supermärkten angebotenen Lachsprodukte auf ihre Herkunft untersucht. Das Ergebnis: Nur 3 der 84 getesteten Lachsprodukte konnten auf die genaue Fischfarm, auf der sie gezüchtet wurden, zurückverfolgt werden.
Lachs in Alaska | C. Strässler, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
Trotz Gütesiegel (ASC, GGN etc.) und Tracking-Codes, die die Herkunft des Fisches laut Hersteller angeben sollen, bestand bei 26 dieser Produkte nicht mal die Möglichkeit, die Herkunft herauszufinden, während bei 55 anderen es nicht eindeutig feststellbar war.
Statt des konkreten Zuchtbetriebs wird nämlich oft nur auf die Händler des Fisches verwiesen. Manchmal ist das eine Liste von Dutzenden Produzenten bei der nicht klar ist, wer denn nun der Züchter ist. Bei den Tracking-Tools verläuft sich durch fehlerhafte oder widersprüchliche Ergebnisse die Spur im Sande.
Foodwatch kritisiert, dass viele in Österreich verkaufte Lachsprodukte aus Aquakulturbetrieben stammen, die mit wiederkehrenden Skandalen in Verbindung gebracht werden. Dort verschleiern mangelnde Transparenz schweres Tierleid und hohe Verlustraten. Die Organisation fordert vollständige Rückverfolgbarkeit, unabhängige Kontrollen und ein Ende der Zertifizierung von Fischfarmen mit dokumentierten Massensterben.
Die drei Lachs-Produkte, die rückverfolgbar waren, wurden in der Studie übrigens nicht genannt.
4. Mai
Ihre Augen, die uns vertraut erscheinen, sind trotzdem so anders aufgebaut als die von uns Wirbeltieren, dass selbst Oktopus-Forscher öffentlich eingestehen, dass sie “keine Ahnung haben, wie sie funktionieren”.
Octopus vulgaris | Quelle: Wikimedia Commons
Die Entwicklungslinien von Oktopoden und Wirbeltieren trennten sich vor mehr als 500 Millionen Jahren, als es in der Natur noch keine Gehirne und Augen gab. Ihre Gehirne weisen jedoch überraschende Ähnlichkeiten auf, beispielsweise Formen der synaptischen Verstärkung, die für das Gedächtnis wichtig sind – allerdings durch unterschiedliche molekulare Mechanismen. Dies ist ein Beispiel für konvergente Evolution. Insgesamt zeigen die Forschungsergebnisse eine Mischung aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden, und Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Kartierung eines vollständigen Konnektoms ihres Nervensystems.
3. Mai
KI-Chatbots wie Claude, ChatGPT oder Gemini sind bekanntlich "nur" große Sprachmodelle, dessen Algorithmen die Fähigkeit zur Textgenerierung aus einem riesigen Datenbestand haben. Diese KI-Tools werden aber bereits oft von uns, aber auch Ärzten, als Diagnosewerkzeug für medizinische Angelegenheiten benutzt. Fachkundige weisen bereits darauf hin, dass die Gefahr besteht, dass Mediziner genauso wie Laien ein Übervertrauen in den KI-Antworten haben.
Durch das o1-Modell von OpenAI, das im September 2024 in ChatGPT integriert wurde, besitzt dieses Tool aber nun auch eine “Reasoning”-Fähigkeit, und kann nun in Echtzeit logische Schlussfolgerungen ziehen.
Im Fachjournal Science erschien letzten Donnerstag eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass dieses KI-Modell im Vergleich mit Medizinern in allgemeinen medizinischen Fragen gut abschneidet.
Brodeur und sein Team von der Tufts University verglichen die OpenAI o1-Serie direkt mit Hunderten von Ärzten und Ärztinnen unterschiedlicher Ausbildungs- und Erfahrungsstufen anhand verschiedener klinischer Fälle. Diese reichten von publizierten Patientenvignetten bis hin zu Untersuchungen von neu aufgenommenen Notfallpatienten und umfassten klinische Aufgaben wie Diagnose und Behandlungsplanung. In unterschiedlichen Szenarien und Anwendungen übertraf das umfangreiche Sprachmodell sowohl menschliche Ärzte als auch ältere Modelle, was sein Potenzial für die klinische Versorgung unterstreicht.
Die Zukunft, dh. Langzeitstudien, werden hoffentlich beweisen, ob KI-Chatbots tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Erkennung und Benennung von Krankheiten haben werden. Nichtdestotrotzem können Chatbots als Zweitmeinungs-Werkzeuge nützlich werden, etwa um seltene Diagnosen nicht zu übersehen.
30. April
Junge Menschen haben es derzeit besonders schwer am Arbeitsmarkt: Dutzende Bewerbungen führen zu kaum Rückmeldungen und keinen Zusagen. Einstiegsjobs und Ausbildungsplätze werden in Krisenzeiten am ehesten gestrichen, die Jugendarbeitslosigkeit bleibt hoch.
Während ältere Arbeitskräfte politisch stärker unterstützt werden, fühlen sich Junge oft übersehen und abgewiesen – was auch ihr Selbstwertgefühl belastet. Zwar erwarten Expert:innen künftig mehr Jobs durch Pensionierungen, doch gleichzeitig gab es 2025 20% weniger (beim AMS gemeldete) offene Stellen als 2024.
Kurzfristiges Sparen beim Nachwuchs schadet langfristig auch Unternehmen. Gefordert sind daher Politik und Wirtschaft, jetzt gezielt in junge Menschen zu investieren und ihnen bessere Chancen zu bieten.